Björn Richter
Vätertreff

Macher der Woche

Es geht um das Miteinander.

Wer ist für die Erziehung eines Kinder wichtiger: Mutter oder Vater? Sich auf eine Antwort festlegen, kann und will sich Björn Richter nicht. „Warum auch? Jeder hat seine Stärken und Schwächen in der Erziehung.“ Seine Frau singt zum Beispiel lieber mit den Kindern während die beiden bei ihm öfter herumtoben. Seine Erfahrungen möchte er gern mit Gleichgesinnten austauschen. Deshalb finden sich einmal im Monat Männer beim von ihm ins Leben gerufenen Vätertreff auf der Chopinstraße 42 in Kappel zusammen

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Vätertreff zu organisieren?

Björn Richter: Ich habe zwei Kinder: einen sechsjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter. Bei beiden habe ich Elternzeit genommen. Das war mir sehr wichtig, diese frühe Phase zu begleiten. Ich hatte damals in der ersten Elternzeit die Idee gehabt, über meine Erfahrungen als Vater mit anderen Vätern zu sprechen. Männer erleben Dinge einfach anders als Frauen.

Es gab Dinge, die mir wichtig waren, Ideen, die beim Besuch von Eltern-Kind-Gruppen entstanden sind. Wenn sich immer mehr Väter der Erziehungsarbeit öffnen, Verantwortung übernehmen, warum nicht aus Sicht von Vätern über die Zeit mit Kindern reden. Da waren andere interessierte Väter. Wir haben uns zusammen getan und der Projektgedanke ist entstanden. Jetzt habe ich in meiner zweiten Elternzeit den Gedanken gehabt, das Projekt wieder zu beleben. Für Väter ist es immer noch etwas relativ Neues, sich mit Erziehungsfragen auseinanderzusetzen. Traditionell setzen sich damit eher Frauen auseinander. Ich merke an mir selbst, ich möchte einfach mehr Verantwortung für die Erziehung meiner Kinder in den frühen Jahren übernehmen.

Von Kursen wie Babyschwimmen, PEKIP oder Ähnlichem abgesehen gibt es einen solchen Vätertreff noch nicht in Chemnitz. „Die Väter sind da einfach oft in der Minderheit und ich habe mich in diesen Treffen nie so richtig von Mann zu Mann austauschen können“, nennt Björn Richter weitere Beweggründe für seinen Vätertreff, der im November vergangenes Jahr zum ersten Mal einlud. „Angefangen haben wir mit fünf Teilnehmern, dann sechs oder sieben. Aber inzwischen hat sich das bei fünf eingependelt.“ Björn Richter arbeitet daran, dass es noch mehr werden, denn „dadurch wird der Austausch einfach lebendiger, wenn mehrere Väter daran teilnehmen.“

Wie läuft ein Vätertreff ab?
Ich habe gemerkt, dass die Kommunikation zwischen Männern ganz anders abläuft. Männer kommunizieren anders als Frauen. Hier in unseren Räumen haben wir sehr gute Bedingungen für den Treff. Ein Verantwortlicher für den Bereich Erziehung in der Männerarbeit der ev. Landeskirche  kommt einmal im Monat vorbei, bringt Themenimpulse zu einem festgelegten Thema mit und ist für die inhaltliche Gestaltung des Abends verantwortlich.

Es geht nicht darum, sich hier zu offenbaren, was ich in meiner Erziehung für Probleme habe und es geht auch nicht darum, zu werten. Wir sind Männer, wir reden anders miteinander. Es geht um das Miteinander. Es geht um die männliche Sicht auf das Thema Erziehung. Wir haben eine gute Mischung aus älteren und jüngeren Vätern. Die Älteren bringen eine besondere Dynamik zum Thema mit, denn die gucken da schon etwas gelassener drauf.
Gibt es denn schon eine Tendenz der meistgestellten Fragen oder Probleme?  

Bisher habe ich das noch nicht festgestellt. Ich schätze es, dass wir zu jedem Abend ein anderes Thema haben. Dabei werden auch immer andere Bereiche der Erziehung angesprochen. Das ist etwas, was sehr produktiv ist.
Gibt es eine Sache bei Kindern, bei dem man als Mann kapituliert? Wo man feststellt, dass kann nur die Mutter (abgesehen vom Stillen)?
Mir ist manchmal nicht so nach Singen zu mute. Ich singe zwar auch mal gern, Gute-Nacht-Lieder zum Beispiel. Aber so zwischendurch in einer sich bietenden Situation fällt mir das schwer. Und das kennen meine Kinder von mir nicht.
Björn Richter ist nicht aus Chemnitz, sondern kommt ursprünglich aus Niedersachsen. Die Familie hat ihn nach Sachsen verschlagen. Inzwischen arbeitet er als Sonderpädagoge an einer Oberschule in Mittelsachsen. „Der Job hilft mir, weil ich bei gewissen Themen Erfahrungen mitbringe. Was die Praxis mit Kindern betrifft, ist es immer wieder neu. In meiner beruflichen Tätigkeit sind es eben nicht die eigenen Kinder. Da kann ich sagen, ich habe Feierabend. Wenn ich nach Hause komme, bin ich die ganze Zeit Vater. Diese Verantwortung habe ich immer“, so der Familienvater.

Ist Chemnitz eine väterfreundliche Stadt? Oder besser: Was macht für Sie eine väterfreundliche Stadt aus?

Das ist ja eine große Frage. Ich denke, es braucht Ausflugsziele in einer Stadt, die für Vater und Kind gut erreichbar sind. Man braucht Spielplätze, große Wälder, die man mit den Kindern erforschen kann, spielen kann. Ich glaube, es geht darum, dass Kinder, insbesondere Jungs, bei Vätern das Abenteuer suchen. Für Jungs ist es einfacher, das mit Vätern zu erleben. An mir selber merke ich, Dinge einfach mal aus der Spontanität und aus dem Gefühl heraus zu tun, mich mal mit meinem Sohn zu balgen. Das ist, glaube ich, etwas, was Mann und Frau unterscheidet. Das lässt sich an allen möglichen Plätzen in der Stadt und in der Wohnung machen. Chemnitz bietet dafür viel. Man muss es nur entdecken und ein Auge dafür haben.
Gibt es in Chemnitz speziell nur Vater und Kind Angebote?

Es gibt viele Dinge, die Väter und Kinder machen können. Aber das muss nicht explizit ausgewiesen sein.
War es in Chemnitz besonders einfach, so ein Projekt wie den Vätertreff aufzuziehen?  

Ich habe keine Vergleichsstädte. Ich merke, es ist nicht einfach. Weil dieses Thema Väter in der Elternzeit noch relativ neu und unbearbeitet ist. Es gibt viele Väter, die sich für die Elternzeit entscheiden. Aber in der Gesellschaft gibt es einen Großteil, die mit einem anderen Familienbild aufgewachsen sind. Von daher ist es was Neues, was einen gewissen Anlauf braucht. Das Projekt ist aktuell bis zu den Sommerferien geplant. Und dann gucken wir mal, wie es weiter geht. Für September ist beispielsweise eine Lesung zum Thema „Vaterliebe“ geplant. Gibt es etwas Spezifisches, was die Vaterliebe charakterisiert? Eine spannende Frage…

Was zeigen Sie Ihrer Familie aus Niedersachsen, wenn sie Sie in Chemnitz besuchen kommt?

Ich zeige die Orte, an denen ich auch gerne bin. Spielplätze, unser eigener Garten  oder die vielen Wälder, die Natur, die es zu entdecken gilt. Wir sind auch gern im Erzgebirge. Das ist von hier aus schnell zu erreichen.

Muss man den Chemnitzer Mut machen, mehr zu seiner Stadt zu stehen?

Chemnitz will entdeckt werden. Chemnitz ist es wert, den zweiten Blick zu wagen auf das, was die Stadt ausmacht und was sie für mich verborgen hält.
Ich habe es bei mir gemerkt: es dauerte einen Moment bis ich mich in dieser Stadt zu Hause fühlen konnte. Aber es lohnt sich. Viele Orte habe ich erst durch meine Kinder kennen und schätzen gelernt.

Weitere Termine für interessierte Väter:
12. April: „Schatz, ich mach das schon“- Kompetenzgerangel mit der Liebsten.
10. Mai: „Tausche Kind gegen Arbeit“ –  Elternzeit – was kommt da auf mich zu?
14. Juni: „Wenn’s nicht funktioniert“- Vatersein in getrennten Partnerbeziehungen

Wo:  Gemeindezentrum der Kirchgemeinde St.-Nikolai-Thomas
Chopinstraße 42, 09119 Chemnitz

2 0 16. März 2016 gepostet am

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